Claudia Schumacher

"Heute sollte Gesundheit eindeutig vor Optik stehen, aber leider ist das bei der Rassehundezucht immer noch nicht angekommen." 

Über die Ahnen unserer Rasse :
Informationen für Welpenkäufer, die in erster Linie einen gesunden Kurzhaarcollie Welpen wollen !

 

Da ich so bald in keiner Konkurrenz mehr zu anderen Züchtern stehen werde, kann ich hier ein paar Dinge zu den Ahnentafeln unserer Rasse sagen, die man als künftiger Welpenkäufer beachten sollte - die Ahnentafeln sollte man sich nämlich unbedingt gut ansehen.
Gelegenheit dazu bekommt man bei diesem tschechischen Link in englischer Sprache :


SMOOTHCOLLIE DATABASE

(Man bekommt oft keine Verbindung, weil die Seite sehr stark besucht wird, lassen Sie sich aber nicht entmutigen ! )

DER COI (IZK)

Der COI (nach Sewell Wright) (Coefficient Of Inbreeding - auf Deutsch auch IZK Inzuchtskoeffizient) ist eine Berechnung des Verwandtschaftsgrades der Elterntiere.
Diese Berechnung hatte S.Wright aber für Menschen erstellt - es ging um Verwandtenheirat, und um die Wahrscheinlichkeit von Erbkrankheiten der Nachkommen solcher Verbindungen.
Da schon verdoppelte Ahnen in beiden Ahnentafeln eines menschliches Paares so gut wie nie auftauchen, ist es nicht ganz korrekt, diese Berechnung bei Zuchttieren anzuwenden. Gerade Hunde wurden ja gezielt eng gezüchtet , um die Ausprägung der einzelnen Rassen überhaupt zu schaffen, also gibt es da fast immer in beiden Ahnentafeln der Eltern verdoppelte Ahnen.
In der Smoothcollie Database wird nun dieser
COI verwendet, so dass die doppelten Ahnen, die auf einer Elternseite vorkommen, nicht als solche gerechnet werden, wenn sie nicht auf beiden Seiten auftauchen. 
Leider sind  nicht einmal die Namen der gemeinsamen doppelten Ahnen durchgängig gekennzeichnet, d.h. nicht konsequent farbig unterlegt. Die auf beiden Seiten  verdoppelten Ahnen sind zwar farbig gekennzeichnet, deren Eltern aber nicht mehr, obwohl die natürlich auch verdoppelt sind. Erst bei dreifachem Erscheinen wird in der Database wieder farbig unterlegt.
Das ist optisch eine starke Verharmlosung der Tatsachen !
Denn wo viele bunte Felder zu sehen sind, ist klar, dass in dieser Ahnentafel auch viele Ahnen doppelt vertreten sind.

Aber der grosse Vorteil der Smoothcollie  Database ist, dass darin fast alle Hunde verzeichnet sind, die in unseren Ahnentafeln vorkommen, man kann also mit Anklicken der einzelnen Hunde weit genug zurückgehen, um alle Ahnen seines Welpen anzusehen.

Sehr viel sichtbarer wird Engzucht mit der Berechnung das AVK - dabei werden tatsächlich ALLE verdoppelten Ahnen aufgelistet, auch in der Database.

DER AVK

Beim
AVK (Ahnen Verlust Koeffizient) hat man eine konkrete Vorstellung worum es dabei geht. Ein idealer AVK ist einer von 100%, das heißt kein einziger Ahne (in der entsprechende Generationenzahl) ist verdoppelt, es gibt keinen Verlust an Genvielfalt. Das ist zwar bei einer Berechnung von nur 4 Generationen relativ oft der Fall, man sollte aber mindestens bis 5 und 6 Generationen zurück gehen, um wirklich einen realistischen Überblick über die Ahnenverdoppelungen zu bekommen - 4 Generationen sind bei weitem nicht genug.
Wenn dieser
AVK z.B. bei 6 Generationen nur 50% anzeigt, heißt das, dass die Hälfte aller Ahnen bei dieser Verpaarung doppelt vorhanden ist. Je höher also der AVK, je näher an den idealen 100%, desto besser ist die Chance, dass man einen von Erbkrankheiten freien  Welpen bekommt.
 

DECKRÜDEN
 

Dieser AVK Wert sinkt natürlich sehr schnell, wenn zu oft die gleichen Deckrüden mit Championtiteln  genommen werden - die Verdoppelungen der Ahnen häufen sich und das engt den Genpool ein. Das ist bei uns leider schon oft geschehen, man findet  Rüden in den Ahnentafeln, die über 20 Würfe hatten , selbst auch aus Engzucht stammen und so unsere Genvielfalt stark verringert haben. Deshalb ist es sehr wichtig, die Qualität eines Welpen nicht so sehr an den in der Ahnentafel  auftauchenden Champions zu messen, sondern an den möglichst geringen Verdoppelungen der Ahnen  !
In-und Engzucht gibt erwiesenermaßen schön gleichmäßig aussehende Hunde, da die Gene, die den Phänotyp bestimmen, mehrfach verdoppelt sind - also hat man die Garantie schöne Welpen von schönen Championhunden zu bekommen.
*
Dass aber die so genannten Schadgene - die Gene von Erbkrankheiten - damit ebenfalls verdoppelt werden, wird leider weniger beachtet.

Und unser Ausstellungssystem fördert diese Zuchtpraktik - einen Hund für die   Zucht rein nach seinem Äußeren zu bevorzugen -  leider immer noch.
Dazu ein Link zu einer Abhandlung von
Dr.Hellmuth Wachtel: Kommt der "Biohund" ? http://www.jagdspaniel.de/hwachtel.htm
Kurzhaarcollies mit Stehohren, Ringelschwänzen, und -laut Rasssestandard- zu große oder zu kleine Hunde, wie sie bei Auskreuzungen vorkommen, sind immer noch wunderschöne Hunde ! 

* Denselben Effekt gleichartig aussehender Welpen kann man aber auch mit einer sogenannten Like-to-like Verpaarung erreichen, wenn man Elternpaare  nimmt, die sich in Typ, Größe und Gebäude  möglichst ähnlich sind. So kann trotzdem eine Auskreuzung gemacht werden, bei der mit großer Wahrscheinlichkeit gesündere Welpen entstehen.

Da unsere Kurzhaarcollies aus dem Mutterland aller Rassehundzucht, England, stammen, haben sie  letztlich mehr oder weniger die gleichen Ahnen - sie sind fast allen Ahnentafeln gemeinsam.
Aus England kommen die Hauptvererber
Sylbecq Draught Guiness at Foxearth(mit 25 Würfen)und sein Urenkel, der auf ihn liniengezüchtet ist, Sharidon Silver Phantom at Foxearth (13 Würfe) die Hündinnen Foxearth Frisson
und Foxearth Frappant. Deren Ahnen stammen aus den Zwingern  von  Peterblue (ca. 1950 - 1986), Dancerwood (ca.1960 - 2006), Foxearth (ca.1970 bis heute), Astrellita (ca.1970 bs 2001), Sylbecq (1978 - 1987),  Newarp (1980 - 1998),  Southcombe (1986 bis heute), deren Nachkommen alle auch bei uns vertreten sind. 

Dazu kamen in den 80 ger und 90er Jahren skandinavische Hunde, die ihrerseits auf nur wenige englische Hunde zurückführen, die in Skandinavien standen :
Dancerwood Court Jester Foxearth Jubilation, Foxearth Silver Fog, Foxearth Freeman, Foxearth Fashionable, Foxearth Frankie, Foxearth Faldo, Foxearth Facsimile Foxearth Future Legend,  Foxearth Flambeau,
Deren Nachfahren tauchen am häufigsten in unseren Ahnentafeln auf.

Einer der bekanntesten und hier in den meisten Ahnentafeln vorkommenden skandinavischen Deckrüden war 
Baubon's Oklahoma Oliwer (26 Würfe lt. Database)  aus Finnland.
Sein Sohn
Kangasvuokon Put Up The Pow-wow (8 Würfe) und  OneWay's Skalle Per, (7 Würfe) ein Sohn seines direkten Cousins  OneWay's Errol Flynn (13 Würfe) (der Vater von B.O.O. und die Mutter von OW E.F. sind Wurfgeschwister) standen längere Zeit in England und sind dort ebenfalls in fast allen Ahnentafeln zu finden - auf diese beiden Hunde wird in England  viel Linienzucht betrieben. Ebenso auf deren weitere  Nachzucht,  Enkel und Urenkel, bei denen Baubon's Oklahoma Oliwers  Linie oft ver-doppelt bis ver-vierfacht wurde.
Rekord ist in dieser Hinsicht bis jetzt ein Wurf in Finnland, bei dem
Baubon's Oklahoma Oliwer neunfach (!)  in der Ahnentafel zu finden ist - siebenmal in der 6. , und neunmal wenn man die 7.und 8. Generation dazurechnet. http://www.smooth-collie.net/view_litter.php?id=813&ped=6  Das ist die perfekte Voraussetzung für aufkommende Gendefekte, solche Verpaarungen sind mir völlig unverständlich .

Die direkten Nachkommen von
Baubon's Oklahoma Oliwer - Rüden und Hündinnen -  leben in verschiedenen europäischen Ländern  :
(nach Geburtsdatum geordnet)
 Sunsweet The Ringmaster, Calibra's Black Bogieman,  Timonan Eve Evonne,  Sandcastle’s Oklahoma Obelix, Sandcastle’s Skinnydipping,  Kangasvuokon Put Up The Pow-wow Scrimshaw Ambassador To Fame, Foxearth Sandy Footprints, Foxearth Castles in the Sky, OneWay’s Miraculix, Sandcastle’s Why Not
Dann sind auch seine Enkel stark vertreten, die Rüden Sandcastle's Trick Or Treat, Sandcastle's Truth Or Dare, Bell Peppers Datapen, Jack Mack’s Kannfadhna - Finnland.
 Seine Urenkel sind Dandinas Top Trick,
 Honey Melon Hartley Henry  (24 Würfe) - Finnland Foxearth High Frequency (14 Würfe) - England, Mooncradle Prospero’s Speech - Frankreich Bell Peppers Gentle Rain und  Eddy vom Ihlpol (16 Würfe) - Deutschland
(Die unterstrichenen Namen sind mit der Database verlinkt, die Hunde können durch Anklicken angesehen werden)
 
Über Holland kamen  etliche Hunde mit meist finnischen Ahnen in unsere Zucht  -
Markyllas, Van Midden Aarde und Mabinogian.
Und als Erweiterung des Genpools auch welche mit kanadischen Ahnen aus Holland, aus dem Kennel Van Shaka's Royal Kraal .
Ab 2003 wurden amerikanischen Hunde zur Blutauffrischung nach Deutschland  geholt, aus der Zucht
Kimegan und Timeless, außerdem  von  Rainybank's und Pennylane's
 

Neben den englischen Ahnen sind in neuerer Zeit nun besonders diese vielen skandinavischen Hunde in fast allen Ahnentafeln zu finden - auf lange Sicht ist deren Verdoppelung kaum mehr zu vermeiden. Aber es wäre klug, jetzt noch genügend Auskreuzungen (d.h.Verpaarungen von nicht eng verwandten Tieren) zu machen,  solange das überhaupt möglich ist. Das hieße diese Namen in der Ahnentafel möglichst nur einmal zu haben, oder wenn sie ohnehin schon verdoppelt sind, nicht noch zu ver-drei bis zu ver-vierfachen, was leider nicht selten vorkommt, und sogar erwünscht ist, im Hinblick auf erhoffte Ausstellungserfolge. Es wäre auch gut darauf zu achten, einen AVK von nicht weniger als 80% bei einer Verpaarung zu erreichen.

Welpen, bei denen der AVK der Ahnentafel unter 80 % bei 6 Generationen beträgt,  sind  stärker gefährdet verdoppelte Schadgene vererbt zu kriegen und  Erbkrankheiten wie Epilepsie, Herzfehler und Nierendefekte zu entwickeln. Diese Defekte sind leider nicht genetisch testbar.
Allerdings können natürlich auch Hunde aus engen Verpaarungen ganz gesund sein, sind aber dann mit erhöhter Wahrscheinlichkeit unerkannte Träger und potentielle Vererber von Schadgenen.
Ebenso können Hunde umgekehrt auch mit einem guten , sprich hohen
AVK, trotzdem unerwartet (und sogar nach einer  Auskreuzung) genetische Defekte aufweisen - es gibt also leider keine Garantie mittels des AVK Werts, da Genetik immer (noch) ein Lotteriespiel ist. Wenn  sie so einfach zu berechnen wäre, wie manche Züchter glauben, hätten wir kaum die heutigen Probleme in der Hundezucht.
Die Tendenz künftiger Zucht sollte trotzdem auf alle Fälle zu einem
AVK über 80% weisen - das ist auf lange Sicht meiner Meinung nach die einzige Möglichkeit, aus dem Flaschenhals der Engzucht wieder herauszukommen.

Die Eltern Ihres künftigen Welpen sollten auf alle testbaren Erbkrankheiten getestet sein, die beim Collie manifest sind :

GENTESTS

Diese Gentests  können heutzutage alle gemacht werden :
CEA - Collie Eye Anomalie
PRA
rcd 2 - Progressive Retina Atrophie - beides Augendefekte.
PRA rcd 2 ist die amerikanische Variante der europäischen  PRA*
MDR1 - ein Defekt der Blut-Gehirnschranke 
DM
- Degenerative M
yelopathie, eine progrediente Nervenkrankheit,
die zu irreversiblen Lähmungen führt. 
 

Schauen Sie diese Defekte im Internet nach, ihre Beschreibung hier vollständig auszuführen wäre nicht möglich .

*PRA  wird bei der ophtalmologischen Augenprüfung mit 6 Wochen getestet,
die zu den vorgeschriebenen Untersuchungen gehört, die zur Zuchtzulassung benötigt werden.
Außerdem gehört zur Zuchtzulassung die radiologische Bewertung (A bis C) der Hüften.
Mit  C bewertete Hüften können zu Hüftdyplasie führen.